MediaMaritim

  • Aktuell
  • Neue Boote
  • Report
  • Technik
  • Zubehör
  • Historie
  • Kontakt
    • Impressum

Pamir. Die Geschichte des Untergangs

0
Samstag, 13 November 2010 / Veröffentlicht in Allgemein

Pamir. Die Geschichte des Untergangs

Seit jeher nehmen Menschen an Schiffskatastrophen besonderen Anteil.

Es war die größte Schifffahrtskatastrophe der jungen Bundesrepublik: Der Untergang der „PAMIR“ am 21. September 1957. Das tragische Ende des Großseglers war aber mehr als eine reine Seefahrtstragödie. Ebenso wie die Sturmflut in Hamburg 1962 und der Grubeneinsturz von Lengede 1963 erschütterte der Untergang der PAMIR die junge, in der Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre zunehmend an Erfolgsmeldung gewöhnte Bundesrepublik in einem bisher nicht gekannten Maße. Die PAMIR, schon damals als „der Stolz der deutschen Seeschifffahrt“ bekannt, erlangte durch diese Tragödie traurige Berühmtheit.

Der Untergang der Pamir im September 1957 ist noch so präsent wie der Untergang von Andrea Doria oder Estonia. Noch immer rätseln Experten, was das Unglück verursachte. Ihre Geschichte fasziniert die Menschen bis heute.

Am 11. August 1957 kurz nach 15 Uhr begann die Pamir unter Kapitän Diebitsch mit einer Ladung Gerste die Rückreise aus Buenos Aires mit Ziel Hamburg. Die Schiffsroute folgte dem üblichen S-förmigen Kurs über den Atlantik, der für Windjammer aufgrund der Passatwinde schneller als eine direkte Route ist. Am 21. September 1957 geriet die Pamir etwa 600 Seemeilen (ca. 1100 km) westsüdwestlich der Azoren in den Hurrikan „Carrie“, der sich nach dreifacher Richtungsänderung in den vorhergehenden Tagen plötzlich direkt aus westlicher Richtung auf die Pamir zubewegte. In diesem HurrikanIm September sank die deutsche Viermastbark PAMIR bei Windgeschwindigkeiten von 130 km/h und Wellenhöhen von 12 bis 14 Metern.

Auch heute, nach nun fünf Jahrzehnten, gehört der Untergang des Fracht fahrenden Segelschulschiffs, eines Schwesterschiffs der berühmten PASSAT, zu den prägenden Ereignissen im jungen Nachkriegsdeutschland. Die offizielle Erklärung ist umstritten. Fest steht, dass von den 86 Besatzungsmitgliedern nur sechs überlebten. Zu ihnen gehört Karl-Otto Dummer, dessen Buch über die letzten Tagen der Pamir berichtet. Akribisch beschreibt er, was vor dem Untergang auf dem Viermastsegler geschah. In eingeschobenen Kapiteln versucht er außerdem Ursachen zu finden – die offizielle Erklärung lautet, dass das Verrutschen der unzureichend verstauten Ladung während eines Sturms den Untergang auslöste.

Da keiner der Offiziere zu den Überlebenden gehörte, kann nur spekuliert werden, was auf der Brücke wirklich geschah. Zu spät eingeholte Großsegel und eine falsche Einschätzung der Wetterlage durch den vergleichsweise unerfahrenen Kapitän sind für viele Experten plausiblere Erklärungen. Das Seeamt wird später feststellen: „Nachdem sich die Schiffsleitung, wo sie noch die volle Entschlussfreiheit hatte, für einen weiteren Nordkurs entschieden hatte, war sie in eine Zwangslage geraten. Sie musste jedenfalls annehmen, dass sie – soweit sie sich nicht zum Beidrehen entschloss – keine andere Wahl mehr hatte, als mit der jeweils höchstmöglichen Geschwindigkeit weiter nach Norden zu segeln beziehungsweise solange der Wind flau war, mit Maschinenkraft zu laufen…“

Der Autor berichtet realitätsnah nicht nur von den letzten Tagen und Stunden der PAMIR sowie der Rettung aus einem winzigen Boot, auch die Porträts seiner Freunde und die realistische Beschreibung der Segelschifffahrt gehören zu den seltenen, authentischen Zeugnissen eines Mannschaftsmitglieds in der deutschsprachigen Literatur. Eindrucksvoll die Schilderung des vermeintlich hoffnungslosen Kampfes der Überlebenden im tosenden Hurrikan. Zusammen mit vier weiteren Kameraden entgeht der Autor in einem leck geschlagenen Rettungsboot dem Tod. Ein weiterer Seemann schlägt sich zuletzt allein in einem anderen Boot durch.

Das Buch ist äußerst übersichtlich gegliedert und auch für Laien auf diesem Gebiet leicht verständlich geschrieben. Die Tragik dieses unvermeidlichen Endes der Pamir kommt sehr gut rüber aber es ist nicht überschwänglich sondern sachlich geschrieben. Beweise und Berechnungen werden dargebracht und fließen in den Text ein. Auch die Gedanken und Gefühle kommen nicht zu kurz, also ein rundum komplettes Werk über dieses Schiff und sein leider so schreckliches Ende.

Karl-Otto Dummer: „Pamir – Die Geschichte des Untergangs“, April 2007, 300 Seiten, Delius Klasing Verlag, neuwertig EUR 18 im maritimen Antiquariat www.mediamaritim.de/shop/product_info.php/products_id/Pamir_Die_Geschichte_des_Untergangs_297

Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • SOZIALE NETZWERKE
MediaMaritim

© 2017 MediaMaritim.de - alle Rechte vorbehalten - Impressum - Datenschutz

OBEN